NRW schärft den Rahmen für virtuelle Tischspiele mit gezielten Gesetzesanpassungen
Geschrieben von Rosa Schmitz · 14.8.2026

NRW schärft den Rahmen für virtuelle Tischspiele mit gezielten Gesetzesanpassungen

Im August 2026 bringt Nordrhein-Westfalen einen Entwurf zur Änderung des Online-Casino-Glücksspielgesetzes von 2022 auf den Weg, der die Umsetzung des bundesweiten GlüStV 2021 weiter konkretisiert und die Aufsichtsbefugnisse der Landesbehörden erweitert. Der Entwurf sieht vor, dass Anbieter von technischen Dienstleistungen künftig einer eigenen Genehmigungspflicht unterliegen, während die Pflichten für Konzessionsinhaber klarer definiert werden. Gleichzeitig erlaubt die Novelle mehreren Lizenznehmern die gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten für Live-Dealer-Übertragungen.
Erweiterte Aufsicht und neue Genehmigungswege
Die Landesregierung verfolgt mit dem Entwurf das Ziel, bestehende Regelungslücken im Bereich der technischen Dienstleister zu schließen. Bisherige Erfahrungen mit der Lizenzvergabe haben gezeigt, dass Betreiber von Servern und Streaming-Infrastrukturen stärker in die Verantwortung genommen werden müssen. Der Entwurf sieht deshalb vor, dass diese Dienstleister eine separate Erlaubnis einholen müssen, bevor sie für Konzessionsinhaber tätig werden dürfen. Dadurch entsteht eine zweistufige Kontrollstruktur, die sowohl die Plattformbetreiber als auch deren Zulieferer erfasst.
Die Klarstellung der Pflichten für Lizenzinhaber betrifft vor allem Berichtspflichten, technische Sicherheitsstandards und die Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde. Konzessionäre müssen künftig detailliertere Nachweise über die Einhaltung von Spielerschutzmaßnahmen und die Integrität der Zufallsgeneratoren vorlegen. Diese Anforderungen gelten einheitlich für virtuelle Simulationen von Tischspielen sowie für Live-Streams aus realen Studios.
Gemeinsame Nutzung von Produktionsstätten
Eine zentrale Neuerung betrifft die Möglichkeit, dass mehrere Konzessionsinhaber dieselben Studios und Übertragungseinrichtungen für Live-Dealer-Spiele nutzen dürfen. Bisher war jede Lizenz an einen eigenen Standort gebunden, was zu hohen Infrastrukturkosten führte. Der Entwurf erlaubt nun eine geteilte Nutzung unter der Voraussetzung, dass klare vertragliche Vereinbarungen und technische Trennungen der Datenströme nachgewiesen werden. Diese Regelung soll insbesondere kleineren Anbietern den Marktzugang erleichtern und gleichzeitig die Überwachung durch die Behörden vereinfachen.

Verfahren zur Vergabe von bis zu fünf Konzessionen
Parallel zur Gesetzesänderung läuft die Vorbereitung eines Vergabeverfahrens für bis zu fünf Konzessionen für private Betreiber von Online-Casino-Spielen. Die Laufzeit der Konzessionen kann bis zu 15 Jahre betragen. Das Verfahren folgt den Vorgaben des öffentlichen Vergaberechts und soll Transparenz sowie Wettbewerbsgleichheit gewährleisten. Interessenten müssen neben finanzieller Leistungsfähigkeit auch nachweisen, dass sie über geeignete technische Systeme und Maßnahmen zum Spielerschutz verfügen.
Die Konzessionen umfassen sowohl virtuelle Simulationen klassischer Tischspiele als auch die Übertragung von Live-Dealer-Runden. Bewerber können im Rahmen des Verfahrens Konzepte für eine gemeinsame Studiostruktur einreichen, die den neuen Regelungen zur geteilten Nutzung entsprechen. Die Landesbehörde prüft die eingereichten Unterlagen und führt anschließend ein Auswahlverfahren durch, das voraussichtlich im Laufe des Jahres 2027 abgeschlossen sein soll.
Umsetzung des GlüStV 2021 auf Landesebene
Das Online-Casino-Glücksspielgesetz von 2022 bildet bereits die landesrechtliche Grundlage für die Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Die nun geplante Novelle passt einzelne Bestimmungen an die praktischen Erfahrungen der vergangenen Jahre an. Besonders die Regelungen zu technischen Dienstleistern und zur Infrastruktur für Live-Streams werden präzisiert, um den Vollzug zu erleichtern und Rechtsunsicherheiten zu vermeiden.
Die Aufsichtsbehörde erhält durch den Entwurf zusätzliche Instrumente, um bei Verstößen schneller eingreifen zu können. Dazu gehören erweiterte Befugnisse zur Dateneinsicht und zur Anordnung von technischen Prüfungen. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die Lizenzbedingungen während der gesamten Konzessionslaufzeit eingehalten werden.
Ausblick auf das weitere Verfahren
Der Entwurf befindet sich derzeit in der Anhörungsphase, in der Verbände und betroffene Unternehmen Stellung nehmen können. Anschließend wird die Landesregierung den finalen Gesetzentwurf in den Landtag einbringen. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für das Konzessionsvergabeverfahren, das nach Inkrafttreten der Novelle starten soll. Beobachter rechnen damit, dass die ersten Konzessionen frühestens im Jahr 2028 vergeben werden könnten.
Conclusion
Die geplanten Änderungen im Online-Casino-Glücksspielgesetz von Nordrhein-Westfalen erweitern die regulatorischen Instrumente und schaffen gleichzeitig neue Möglichkeiten für eine effiziente Infrastrukturnutzung. Das Vergabeverfahren für bis zu fünf Konzessionen mit Laufzeiten von bis zu 15 Jahren wird dadurch auf eine klarere rechtliche Basis gestellt. Weitere Informationen finden sich in der Analyse von Noerr sowie auf den Seiten der Bundesgesundheitsbehörden.